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Wort zum Weihnachtsfest 2013

Wort zum Weihnachtsfest

Ihr seid die Richtigen!

Es war vor einigen Jahren. Erster Probentermin für das Krippenspiel an Heilig Abend. Im Vorfeld die bange Frage: Werden genug Kinder kommen, um alle Rollen von den Engeln bis zu den Weisen aus dem Morgenland ausfüllen zu können ?

 

Aber dann: fröhliches Geschnatter im Gemeindehaus. Dreißig Kinder versammelt. Also Rollenverteilung: Schnell die Zahl der Engel und Hirten verdoppelt, den Boten des Kaisers Augustus gevierteilt - den Text natürlich ! Dann Tränen bei Franziska: weil man die Rolle der Maria eben nicht teilen kann und sie leer ausging, „nur" Hirte sein konnte. Dann am Ende die Kontrollfrage: Hat jetzt jeder eine Rolle ? - Da meldet sich ein Mädchen: „Ich noch nicht".- Ja, frag ich, warum hast du dich denn vorhin nicht gemeldet ?! „Weil meine Rolle noch nicht dran war." - Was willst du denn machen ? „Den Esel". - Nein, d i e Rolle war eigentlich nicht vorgesehen...

Dabei waren sie, Ochs und Kollege Esel, ja tatsächlich ganz nah dran. Zwei der ersten Zeugen der Weihnachtsgeschichte. Und eine Legende erzählt, wie gerade Ochs und Esel zu der Ehre gekommen sind, dem Jesuskind in Bethlehem Gesellschaft zu leisten:

Als Josef mit Maria auf dem Weg nach Bethlehem war, rief ein Engel die Tiere heimlich zusammen, um einige auszuwählen, der Heiligen Familie im Stall zu helfen. Als erster meldete sich natürlich der Löwe: "Nur der König der Tiere ist würdig, dem Herrn der Welt zu dienen", brüllte er, "ich werde jeden zerreißen, der dem Kind zu nahe kommt!"
"Nein, du bist mir zu grimmig", sagte der Engel.

Darauf schlich sich der Fuchs näher. Mit unschuldiger Miene meinte er: "Ich werde sie gut versorgen. Für das Gotteskind besorge ich den süßesten Honig und für seine Mutter stehle ich jeden Morgen ein Huhn!" "Nein", sagte der Engel, "du bist mir zu listig und gerissen". Da stelzte der Pfau heran. Rauschend entfaltete er sein Rad und glänzte in seinem Gefieder. "Ich will den armseligen Stall köstlicher schmücken als Salomon seinen Tempel!" "Nein, du bist mir zu eitel", sagte der Engel. Es kamen noch viele und priesen ihre Künste an. Vergeblich. Zuletzt blickte der strenge Engel noch einmal suchend um sich und sah Ochs und Esel draußen auf dem Feld dem Bauern dienen. Der Engel rief auch sie heran: "Was habt ihr anzubieten?' "Nichts", sagte der Esel und klappte traurig die Ohren herunter, "wir haben nichts gelernt außer Demut und Geduld. Denn alles andere hat uns immer noch mehr Prügel eingetragen!" Und der Ochse warf schüchtern ein: "Aber vielleicht könnten wir dann und wann mit unseren Schwänzen die Fliegen verscheuchen!" Da sagte der Engel: "Ihr seid die richtigen!"

Nicht die Starken also, nicht die Stolzen, nicht die cleveren Siegertypen im Leben sind es, die Jesus nahe sind. Unter den Menschen, so erzählt die Weihnachtsgeschichte, sind es ausgerechnet die Hirten, die als erste den Weg zu ihm finden. Es scheint, als hätten wenigstens s i e das Zeichen verstanden, das Gott hier gibt. Dass Gott ganz unten ankommt. In der Kälte und Erbärmlichkeit eines gar nicht so romantischen Stalles. Dass Gott so und da der unsrige wird, damit wir ganz die Seinen werden. Die Engel drücken den Hirten kein Anmeldeformular für einen spirituellen Erlebnis-Workshop oder ein Reinkarnations-Wochenendseminar in die Hand. Sie schicken sie: zu einem Stall, einem Kind. "Ihr werdet finden". Da: Gott in Windeln. Und später: Gott am Kreuz. Gott hineingeboren in unsere Ängste, in deine Kränkungen und Krankheiten hinein, in deine Selbstzweifel, deinen Lebensüberdruss. "Siehe, ich bin bei euch alle Tage." Immanuel: Gott-mit-uns. Neben den Hirten ist darum immer noch ein Platz frei für dich und mich an der Krippe. Und nach Weihnachten dürfen wir dann wieder- wie sie auch- zurück in unseren Alltag. Aber die Welt wird kein gottverlassener Ort mehr sein, nie mehr sind wir Menschen, die die Botschaft der Engel nicht gehört haben. Nie mehr sind wir Menschen, die gottverlassen sind. Nein, wir sind solche, die wissen dürfen: das Herz der Welt schlägt noch, schlägt warm und ruhig für uns. Gott ist eindeutig geworden in jener Heiligen Nacht: Gott als ein Gott für uns. Und darum bist du nicht irgendjemand, sondern ein Mensch, an dem Gott Wohlgefallen hat, ein unverwechselbarer, kostbarer, weil geliebter und von Gott gebrauchter und gewollter Mensch. Sein Stern steht auch über deinem Leben.

 

Pfarrer Detlef Meyer, Merkendorf

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