Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Wort zum Reformationsfest 2012

Wort zum Reformationsfest

Reformation zwischen Mittelalter und Moderne

„Wie neu ist die Reformation?" fragt der Kirchengeschichtler Berndt Hamm in einem Artikel des Korrespondenzblattes vom Oktober 2012 und weist dabei darauf hin, dass Luther und die anderen Reformatoren nicht einfach alles neu erfunden haben, sondern vieles, was sie sagten, auch in ihrer kirchlichen Tradition vorgegeben war.

Die Frage beschäftigt mich: Reformation zwischen Mittelalter und Moderne, zwischen verkrusteten mittelalterlichen Strukturen und dem Aufbruch in eine aufgeklärte, liberale, fortschrittliche Welt.

Was ist dran an der Aussage, dass durch Luthers Ablassthesen die Welt verändert wurde? Dass sein standhaftes Auftreten vor Kaiser und Reich nicht nur Bekenntnis des Glaubens, sondern auch Ausdruck eines freien Gewissens war?

Was ist dran an der Aussage, dass die Reformation der Anfang der Neuzeit ist? Denn als evangelische Christen feiern wir ja nicht nur alljährlich am 31. Oktober das Reformationsfest als Gedenktag an Luthers Thesenanschlag von 1517, sondern betonen auch - wie die Lutherdekade im Hinblick auf das Jahr 2017 zeigt -, dass uns dies bis heute noch etwas bedeutet.

Blicken wir genauer hin, dann wird - wie so oft - beides sein Recht haben: Luther ist, wie alle anderen Menschen immer auch Kind seiner Zeit. Er hat die Welt nicht neu erfunden, auch den Glauben nicht. Vieles was er sagte bleibt zeitgebunden und muss aus seiner Zeit heraus verstanden werden. Aber in dem allem hat er die Bibel neu entdeckt und ihre befreiende, Mut machende Botschaft von der Gnade Gottes, die jedem Menschen gilt.

Und er hat es in einfachen, klaren Worten auszudrücken vermocht: in seiner Bibelübersetzung oder seinen Liedern wie „Nun freut euch liebe Christen g`mein " oder „Ein feste Burg"; in Formulierungen, wie der von der „Freiheit eines Christenmenschen" oder in seinen Auslegungen im Kleinen und Großen Katechismus.

Das war neu und unterschied sich von allem bisher Gesagten.
Insofern begann mit der Reformation eine neue Zeit, nicht nur in dem Sinn, dass es seitdem zwei große Konfessionen in der westlichen Christenheit gibt. Auch das Glaubensleben hat sich verändert. Unser Christsein ist individueller geworden. Jeder und jede versucht den eigenen Weg im Leben zu finden - mit oder ohne Kirche. Die Reformation erinnert uns dabei daran, dass dies nicht ohne Auseinandersetzung mit Gott möglich ist. Das unterscheidet sie von der Moderne unserer Tage. Nicht darum geht es, ob unsere westliche Kultur christlich geprägt ist, sondern, ob sie dies auch sein will, und damit verbunden um die Frage, ob sich unser Reden und Handeln auch von christlichen Werten leiten lässt. An Themen wie der Frage nach dem Schutz der stillen Feiertage wie Karfreitag, Karsamstag oder Allerheiligen wird sich dies erweisen.

Die Feier des Reformationsfestes und die damit verbundene Erinnerung können uns dazu ein Denkanstoß sein. Insofern hält die Reformation immer etwas „Neues" für uns bereit!

 

Thomas Schwab, Pfarrer in Dittenheim

drucken nach oben