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Landesbischof im Juli 2012: „Das Zeugnis gegen Hass und Unrecht muss erkennbar bleiben“

Landesbischof Bedford-Strohm

 

Landesbischof würdigt Ansbacher Kirchenjuristen Friedrich von Praun, der 1944 im Gestapo-Gefängnis in Nürnberg starb

 

Mit einem Gottesdienst in der Ansbacher St. Gumbertuskirche und der Enthüllung einer Gedenktafel hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm heute den Kirchenjuristen und ehemaligen Leiter der Ansbacher Landeskirchenstelle Friedrich von Praun gewürdigt. Von Praun war 1943 wegen systemkritischer Äußerungen von der Gestapo verhaftet worden und wurde am 19. April 1944 tot in seiner Gefängniszelle in Nürnberg aufgefunden.

 

Friedrich von Praun habe sein Leben verloren, „weil er geliebt hat", so der Landesbischof in seiner Predigt, „und es nicht ertragen konnte, widerspruchslos das verbrecherische Wirken einer Ideologie mit anzusehen, die sich aus dem Hass speiste und die Verachtung anderer Menschen zum Programm machte". Darum sei von Praun ein evangelischer Märtyrer.

Mit seinem Tod habe einer „der Besten" sein Leben gelassen, einer, der Kirche und Gesellschaft nach dem Krieg „noch vieles hätte geben können".

 

Doch von Praun sei noch ein zweites Mal gestorben, weil man ihn nach dem Krieg über lange Zeit vergessen habe, so der Landesbischof weiter.
Es sei „traurig, dass unsere bayerische Landeskirche erst jetzt ihren Märtyrer ehrt". Als „einen Irrtum" kritisierte Bedford-Strohm die Weigerung des Landeskirchenrats im Jahr 1957, eine Gedenktafel für von Praun aufzuhängen.

 

An Bischof Meiser gebe es „respektable Seiten" und solche, „die uns heute schwer zu schaffen machen". Der Landesbischof sprach sich dafür aus, die Ambivalenz im Verhalten Meisers und anderer Personen der Kirchenleitung damals auszuhalten. „Die Einen wollen jede Kritik an Meisers Verhalten wegwischen, andere wollen die Erinnerung an Meiser wegdrücken, indem sie Straßen umbenennen". Beides sei keine Lösung, betonte Bedford-Strohm. „Wir können aus diesen Ambivalenzen lernen, indem wir diejenigen besonders würdigen, die Klarheit gebracht haben, indem sie Unrecht auch Unrecht nannten und entsprechend gehandelt haben".

Darum machte der Landesbischof den Vorschlag, das Haus der Landeskirchenstelle in der Ansbacher Bischof-Meiser-Straße umzubenennen in „Friedrich-von-Praun-Haus". In „diesem Beieinander" fände ein Stück bayerischer Kirchengeschichte seinen Ausdruck, so Bedford-Strohm.

 

Die Erinnerung an Friedrich von Praun rufe gleichzeitig dazu auf, „die Herausforderungen heute zu identifizieren, die unserer Generation vielleicht einmal in 100 Jahren vorgehalten" würden. Eine bedrängende Frage könnte sein, wie diese Generation es zulassen konnte, dass jeden Tag 25.000 Menschen an Hunger sterben, obwohl genügend Nahrung vorhanden sei.

Friedrich von Prauns Zeugnis könnte auch heute Orientierung geben, so Bedford-Strohm.

Bei „allem sich einlassen auf die Mechanismen der Welt, bei aller Wahrnehmung der Komplexität verantwortlichen Handelns: es geht darum, in der Wahrheit zu bleiben. Recht muss Recht bleiben und Unrecht muss als Unrecht kenntlich bleiben". Die Authentizität einer christlichen Existenz lebe davon, „dass das Zeugnis gegen Hass und Unrecht erkennbar bleibt", so der Landesbischof.

 

München, 26. Juli 2012

Johannes Minkus, Pressesprecher

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