Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

In den evangelischen Kirchen wird der Buß- und Bettag gefeiert.

Wort zum Buß- u. Bettag

,,Buße" - das Wort hat einen düsteren Klang. Der graue November ist der Monat, der zum Bußtag passt. Der Sommer ist dahin, das Laub vergilbt, die Tage sind kurz geworden. Wir empfinden unsere Vergänglichkeit und werden empfänglich für die Frage, was unser Leben erbracht hat und was unsere Tage wert sind.

 

Der ehrliche Blick auf die eigene Lebensweise, auf das, was wir reden und tun - wer ist dazu noch bereit? Donald Trump lässt auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus einem Journalisten, der kritische Fragen stellt, das Mikrofon aus der Hand reißen. Meinungsfreiheit, der Respekt vor der Überzeugung des Anderen, aber auch die Bereitschaft Kritik anzunehmen und aus Fehlern zu lernen - das sind die Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaftsordnung. Wo sie missachtet werden, droht Gefahr. Auch daran sollten wir uns am Buß- und Bettag erinnern lassen.

 

Den ehrlichen Blick auf das eigene Leben fordert Jesus im Gleichnis vom Feigenbaum, das am Buß- und Bettag in den Gottesdiensten verlesen wird (Lukas 13,6-9). Jesus wurde von seinen Anhängern gefragt, wer schuld sei am Schicksal der Menschen in der Stadt Siloah, die von einem einstürzenden Turm erschlagen wurden. Hatten diese Unglücklichen eine besonders schwere Schuld auf sich geladen? Nein, sagt Jesus und schärft seinen Jüngern ein: Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.

Und dann erzählt Jesus dieses Gleichnis: Ein Feigenbaum brachte 3 Jahre keine Frucht. Der Besitzer will ihn fällen. Doch der Pächter bittet ihn um eine Schonfrist. Er will den Boden um den Baum lockern, düngen gießen. Bleibt der Baum dennoch fruchtlos, so soll er fallen.

 

Ist das Gleichnis eine Drohung? Ich möchte es lieber als (letzte) motivierende Unterstützung verstehen. Was fehlt mir, um aufzublühen und Frucht zu bringen? Welche Unterstützung und Ermutigung brauche ich, um mich neu auszurichten?

Für mich gehört in erster Linie Gottes liebevoller Blick auf mein Leben dazu. Er sieht und kennt die Umstände, unter denen ich wachse. Er weiß, was ich brauche und was mich hindert. Und er gibt mich so schnell nicht auf.

 

Und als Zweites: Zu wissen, dass ich alles Notwendige in mir trage, ja geschenkt bekomme. Dass meine Vergangenheit hier nicht entscheidend ist, sondern die Frage, wie ich diese eine letzte Chance nun nutze. Gott geht es um die Zukunft. Für sie schenkt Gott mir alle Möglichkeiten, mein Leben zu gestalten und auch zu verändern. Die Aussicht auf ein blühendes Leben motiviert mich persönlich mehr als die drohende Axt am Ende. Vielleicht aber werde ich auch die einmal brauchen.

 

Ich glaube: Gott gibt mich auch dann nicht auf, wenn ich seine Hinweise nach langer Zeit noch immer nicht verstanden habe. Er lässt mich auch dann nicht fallen, wenn ich immer wieder die gleichen Fehler mache. Gerade dann, wenn ich in einer „fruchtlosen Phase" feststecke, umsorgt und unterstützt er mich noch einmal mehr. Das sollte mich ermutigen und anspornen. Weil Gottes Liebe keine Grenzen kennt, kann ich ehrlich meine Grenzen anerkennen und zu meinen Fehlern stehen.

 

Ihr Pfarrer Ekkehard Malcher

drucken nach oben