Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Wort zum Weihnachtsfest 2014 - Was für ein Tag

Wort zum Weihnachtsfest

Advent - Zeit der Ankündigung vorbei. Advent - Zeit des Wartens vorbei.

Advent - Zeit der Ankunft erfüllt. Betlehem ist zu dieser Zeit ein Provinznest, das nur wenigen bekannt ist. Betlehem liegt nicht auf der Sonnenseite der Welt. Seine Vergangenheit war groß. Heimat des Königs David. Und in der Ecke des Stalls in Betlehem geschieht das Wesentliche. Zehn Kilometer südlich von Jerusalem entfernt.

In Jerusalem bewohnen andere Leute die Häuser. Dort trifft man vor allem die Satten, Fertigen, die Eingerichteten und Mächtigen, die Herrscher und Kriegstreiber. Dort erwartet man nichts, Veränderungen werden gefürchtet. Angelernte Gedanken und Ideen werden verteidigt. Die Mauern von Jerusalem sind stark, Abschottung erfolgt von selbst.

Hier hinein wurde Jesus nicht geboren. Wir müssen uns schon von Jerusalem nach Bethlehem begeben. Mit der Unterscheidung zwischen Hoch und Niedrig, Mächtig und Ohnmächtig, hat Gott gebrochen. Keinen Punkt der Demütigung gibt es mehr, bis zu dem Gott sich nicht gebeugt hat.

Weihnachten - Zeit der Erfüllung ist da. Weihnachten - Zeit der Geburt ist da. Weihnachten - Tag der beginnenden Erlösung.

Was ist das für ein Tag?

Ein Erinnerungsfest an ein Geschehen vor über 2000 Jahren, von dem wir gar nicht so genau wissen, was wir davon halten sollen, was uns davon historisch erscheint. Was ist das für ein Tag für uns  ganz persönlich?

Weihnachten ist oft nur ein Tag für uns, eben der Heilige Abend. Aber spätestens nach dem zweiten Weihnachtstag ist es vorbei. Aber der erste Tag der Erlösung ist eben nicht nur ein Tag.

Viele von uns sind Suchende. Wir suchen nicht mehr am Sternenhimmel nach Antworten auf unsere Fragen. Wir bemühen unseren Verstand, vertrauen auf die Wissenschaft - aber viele von uns sind auf der Suche nach Wahrheit. Vielleicht nach einer letzten Wahrheit. Vor allem danach aber wie unsere Lebensgeschichte weitergeht. Was die Zukunft für uns bereithält. Fragen werden besonders gestellt, wenn sich Lebensgeschichten wenden. Viele Menschen suchen Orientierung und Trost in einem Glauben, der ihrem Leben Sinn geben soll. Ich wünsche mir Klarheit für mein eigenes Leben. Wie viele Wege unseres Lebens sind verworren! Vielfach durchkreuz von dem, was wir Schicksal nennen, manchmal durch Schuld kaum mehr erkennbar, wohin der Weg gehen soll. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen, für die immer alles klar und eindeutig ist. Weihnachten wird es im Dunkeln.

Ich kann heute nur schreiben, was Weihnachten für mich bedeutet, nämlich dass Gott uns liebevoll im Blick hat. Gott macht einen großen Schritt auf uns zu. Für den Glauben ist Bethlehem die Traumlandschaft der Gnade.  Was ist das Kind in der Krippe und der spätere Mann Jesus anderes, als eine einzige vertrauensbildende Maßnahme Gottes gegenüber uns Menschen? Wir haben unseren unkündbaren Platz bei Gott in und durch Jesus. In der Krippe beginnt dieses merkwürdige Liebesabenteuer Gottes mit uns Menschen und am Kreuz endet es - fast - denn selbst in den tiefsten Tiefen des Lebens und Sterbens bleibt Gott gegenwärtig und sagt dem Leid, dem Schmerz, dem Tod den Kampf an. Aber das sind andere Tage der Erlösung, nämlich Karfreitag und Ostern.  Alles geht seinen Gang. Und deshalb : Fürchtet euch nicht!

 

Dekan Klaus Mendel, Gunzenhausen  2014

 

drucken nach oben